5. Klasse

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Das fünfte Schuljahr war die Zeit der selbsterfundenen Comicfiguren, doch war das fünfte Schuljahr wohl auch das schlimmste für meinen Lehrer überhaupt. Die hier vorgestellten Zeichnungen zeugen nur annäherungsweise davon, wie blöd ich damals tun konnte.

Schnüfi

Die allererste Comicfigur war diese hier: Schnüfi (Ein wunderschöner Name, nicht?). Es ist grundsätzlich einfach ein Kreis mit Augen und sowas wie Armen, Beinen und Ohren. Er ist im eigentlichen Sinne ein Superheld, denn er hat die spezielle Eigenschaft, dass er sich dehnen kann, aber wer kauft einer Figur schon den Superhelden ab, wenn sie Schnüfi heisst.

Schnüfi

Die Reise mit dem Flugzeug

Trotzdem hat es Schnüfi geschafft, der Protagonist meiner allerersten vierteiligen Comicgeschichte zu sein. Sie hat sich über das gesamte fünfte Schuljahr gezogen. Es geht um eine Flugzeugentführung, bei welcher Schnüfi (Mensch, wie kam ich bloss auf diesen Namen) natürlich alle Insassen rettet. Sehr spannend erzählt. Übrigens: Wem es nicht aufgefallen ist: Schnüfi ist braun.

Die Reise mit dem Flugzeug

Runde Nase

Für weitere Figuren hatte ich eigentlich meinen Stil bereits am Ende der vierten Klasse gefunden. Es sind stets Männchen mit knollig runder Nase. Hier ist die Figur noch nicht so gut ausgearbeitet, aber das kommt noch. Wieder einmal hatte ich mich in Kurzwitzen versucht. Mein Freistundenheft ist voll davon. Natürlich sind die Witze nach wie vor geklaut.

Runde Nase

Roxi Bar

Auch ich hatte entdeckt, dass es nebst Männlein auch Weiblein gibt. Ich habe keine Ahnung, woher ich die Idee einer nackten Frau in einer Bar aufgeschnappt hatte. Vielleicht war gerade Altpapiersammlung und ich hatte ein Bravo in die Hände bekommen. Eine volle Seite widmete ich meiner sexuellen Entwicklung und gab das Heft dem Lehrer ab. Sein Kommentar steht am rechten unteren Rand: aber, aber Tobias!

Roxi Bar

Dr. Krausle

Ich hatte zwischendurch eine andere Figur kreiert, welche eine spitze Nase, ein einziges gelocktes Haar und einen sehr länglichen Kopf hatte, Dr. Krausle hiess und anscheinend Erfinder in allen Arten sei, aber diese Figur ist wohl verlorengegangen. Ich kann mich kaum daran erinnern, und zudem finde ich keinerlei weitere Zeichnungen davon. Mir kommt nur noch in den Sinn, dass dieser Herr Krausle mal eine Kaffeetasse für Linkshändler erfand. Bereits eine Seite später tauchen jedoch wieder meine knollnasigen Typen auf, und so scheint mir diese Kreation schon damals wenig sympatisch gewesen zu sein.

Dr. Krausle

Weitere Knollnasen

Wie man sieht, habe ich schon ein wenig Fortschritte gemacht. Es ist bereits möglich, zu erkennen, was ein Daumen, und was ein Finger sein soll. Ausserdem habe ich mich mit bestimmten Techniken wie der Form der Sprechblasen bedient, um die Szene möglichst klar zu gestalten. Trotzdem erkennt man noch ganz typische Fehler, wie derjenige, dass die Augen auf der Stirn kleben oder dass nur ein Bein sichtbar ist.

Weitere Knollnasen

Schatten

Und dann endlich war es soweit: Ich hatte die Schatten entdeckt. Ich habe gemerkt, dass man mittels Schraffur hellere oder dunklere Bereiche herstellen kann. Tatsächlich war mir dies schon länger klar, aber dass man damit sowas wie Schattierungen herstellen kann, und dass das dann sogar noch einigermassen realistisch aussieht, wusste ich bis hier nicht.

Schatten

Fledermäuse

Kurz nach den Schatten hatte ich auch meine nächste Figur entworfen: Eine Fledermaus. Auf das Bild klicken zum Vergrössern. Wir hatten in der Schule diese Tierchen durchgenommen und prompt hatte ich diese kleinen Flugsäuger in mein Herz geschlossen. Auch später hatte ich diese Figur immer wieder verwendet, nicht zuletzt auch als eine Art Copyright oder Markenzeichen namens ®Fledermouse. Übrigens: Der Kenner erkennt, von wem ich die Nase abgeschaut habe: Don Martin.

Fledermäuse

Perfektion

Immer mehr wollte ich meine Zeichnungen genauer machen. Die Perspektive sollte passen, die Linien sauber sein und die Details stimmen. Gegen Ende des fünften Schuljahres hatte ich diese Technik dann perfektioniert (für damalige Verhältnisse) und konnte in mein Freizeitheft Dinge reinzeichnen, die ich mir nur schon ein Jahr zuvor nicht mal vorstellen konnte. Ein Augenmerk sei hier auf die ausgeklügelte Art der Schuhe der Personen gerichtet und auf die Hände, welche teilweise bereits Fingernägel aufweisen. Diese Zeichnung war übrigens als Rätsel gedacht: Wer sagt was?

Statements on a dancefloor

Häuschenpapier

Immer mehr machte ich mir die vorgegebenen Häuschen auf einem Häuschenpapier zunutze und erstellte einige absolut konfuse und unnütze Würfelkonstruktionen her. Meinen Lehrer brachte ich beinahe in den Wahnsinn mit solchen und ähnlichen Zeichnungen, in denen er beispielsweise einen fehlenden Strich in mitten eines solchen Würfels suchen musste. Diese Tendenz zum immer technischerem Zeichnen setzt sich auch in der sechsten Klasse fort.

Häuschenpapier

Beginn der Blödelei

Am Ende des Schuljahres hatten wir ein Klassenlager, bei welchem wir eine Art Tagebuch führen mussten. Ich hatte die Gelegenheit genommen, um möglichst wenig zu schreiben, dafür aber umso mehr zu zeichnen. Dass es in einem Klassenlager nicht immer ganz so zu und her geht wie in einer normalen Schulstunde, ist an den Zeichnungen ersichtlich. Auch hatte ich nicht wirklich Lust, meine Zeichnungen perfekt zu machen, sondern einfach so viel Blödsinn wie möglich hineinzupacken (Ich liebe dieses Heftchen!).

Aufwachen mit Gesang
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© Tobias Stamm, manderby.com